Fachtagung zu Grenzziehung und Grenzachtung: Profifamilien® und Erziehungsleitungen üben sich auf der kommunikativen Statuswippe

Insgesamt 55 pädagogische Fachkräfte aus den Profifamilien®, Erziehungsleitungen und Bereichsleitungen nahmen an der internen Fortbildung zum Thema „Konfrontation, Grenzziehung und Grenzachtung in der Kinder- und Jugendhilfe“ am Veranstaltungsort „Backhaus Hof“ in Meppen teil. Die Teilnehmenden waren aus einem Umkreis von über 50 km angereist, um sich vom Referenten Herrn R. Gall zum Umgang mit Machtspielen junger Menschen fortbilden zu lassen.

Um die fachliche Weiterbildung der Profifamilien® zu garantieren, finden in jedem pädagogischen Zentrum regelmäßige Weiterbildungen statt. Die Themenwahl bleibt den pädagogischen Fachkräften überlassen und orientiert sich zumeist an den Bedarfen der Profifamilien®. Die Idee zu dieser Veranstaltung entstand in den Erziehungskonferenzen der pädagogischen Fachkräfte. „In den Konferenzen kam immer wieder das Thema auf, wie man mit jungen Menschen umgehen kann, die ihre 'Grenzen immer wieder austesten'. Die Profifamilien® haben sich vor allem dafür interessiert, warum diese Kinder und Jugendlichen Machtspiele derart einsetzen und wie man diese möglicherweise umgehen kann“, so Christina Koops, eine der begleitenden Erziehungsleiterinnen: „Aus dem Grund haben wir Herrn Gall eingeladen. Wir wollten uns offensiv aber spielerisch mit diesem Thema auseinandersetzen, um so ein besseres Gefühl für die Beweggründe der jungen Menschen zu entwickeln und unser eigenes Handeln zu reflektieren".

Die Veranstaltung startete um 08:30 Uhr mit einem Stehcafé und der Begrüßung durch den Bereichsleiter Clemens Deters. Im Anschluss erfolgte der theoretische Teil des Workshops. Herr Gall machte deutlich, dass Menschen ihren eigenen Status, bewusst oder unbewusst, immer in Abgleich zu anderen Menschen definieren. Über Selbsterhöhung- und herabsetzung  und die Erhöhung und Herabsetzung der Anderen passen wir unseren Status an. Häufig kommt es dabei zu Rivalitäten - wir begeben uns auf die Statuswippe. Einen Grund dafür, dass junge Menschen immer wieder die Konfrontation suchen, sieht er in den Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen im Umgang mit dem eigenen Status. Oftmals erfahren sie eine Tiefenstatuszuordnung durch Erwachsene durch Einsatz von Aussagen wie bspw.: „Warum? Weil ich es dir gesagt habe!“ Diese Erfahrungen  mit dem sogenannten Adultismus werden häufig zu einem prägenden Merkmal in der Geschichte der jungen Menschen und führen dazu, dass sie lernen, dass ein Hochstatus nur durch destruktive Mittel und ein Herabsetzen des Gegenübers erreichen werden kann. Wie ist also mit diesen Lernerfahrungen umzugehen? Die Antwort von Herrn Gall: „Gehe nicht auf die Statuswippe! Bleibe im Konflikt anti-septsich.“

Das muss jedoch erst einmal gelernt werden. Aus diesem Grund ging es um 11.30 Uhr weiter mit dem praktischen Teil des Workshops. In diesem wurden Rollenspiele eingesetzt, um das Konzept der Machtwippe besser verstehen und das eigene Verhalten im Gespräch  reflektieren zu lernen. Zudem wurden Impact-Techniken eingesetzt, die deutlich machten, dass man Dinge immer aus zwei Sichtweisen betrachten kann. „Wir haben viel aus der Fortbildung mitgenommen“, so eine Teilnehmerin: „Ich hätte nicht gedacht, dass man Spiele so gut einsetzen kann, um selbstkritisches Verhalten zu üben. Herr Gall hat uns viele praktische Tipps gegeben, wie wir in schwierigen Situationen einfacher handeln und die jungen Menschen noch besser in ihrer Rolle verstehen können.“  Die Veranstaltung endete mit einem großen Dank an den Referenten sowie an die Küche des Café KiM und die Hausmeister für die großartige Verpflegung und Vorbereitung der Räumlichkeiten.